Vor kurzem bin ich eine etwas über 40km lange Strecke mit dem eBike von A nach B gefahren. In einer fremden Umgebung, durch die ich mir den Weg suchen musste. In dem Wissen, dass mich das psychisch und kognitiv fordern würde. Und in dem Wissen, dass es körperlich eine deutliche Steigerung, aber machbare Herausforderung sein würde.
Als ich nach 4h am Ziel ankam, war ich stolz auf mich, es geschafft zu haben. Die Tage danach hatte ich Kopfweh, Brainfog, schwere Beine und so wenig Energie, dass Geschirr spülen wieder eine Herausforderung war und spazieren zu viel. Es ist deprimierend, aber eigentlich kann ich mit diesem Ergebnis ganz zufrieden sein, denn vor einigen Jahren wäre ich nach so einer Aktion wahrscheinlich ein halbes Jahr lang Haus- und Sofa-gebunden gewesen.
Dennoch hat es die altbekannte Wut wieder hervorgerufen. Die Folgen meiner Radtour waren mal wieder eine Bestätigung, dass meine Einschränkungen nicht an fehlendem Mut oder fehlender Motivation liegen und nie lagen. Sondern an meinem Körper.
Es ist traurig, dass ich dieses Bestätigung anscheinend immer noch für mich selbst brauche, da ich von Therapeuten und Ärzten zu oft etwas anderes gehört habe. Doch ich kann Symptome nicht direkt beeinflussen. Ich kann sie nur indirekt beeinflussen, indem ich meine Reaktion darauf beeinflusse. Die damit verbundene Zeitverzögerung liegt aber nicht in meiner Hand. Wer mir noch einmal etwas anderes erzählen will, dem würde ich am liebsten eine reinschlagen.
Ich glaube, durch diese Aktion ist zum ersten Mal wirklich bei mir angekommen, dass meine Einschränkungen nicht mein persönliches Versagen sind und nie waren. Ich kann in meinem Leben nur das in meiner Macht stehende ändern, aber nicht alles.
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