Ich bin nicht lieber allein
Ich habe schon des Öfteren den Satz „Ich bin lieber alleine“ in der ein oder anderen Ausführung von Autist:innen gehört oder gelesen. Irgendwie kann ich ihn nie zu 100% nachvollziehen, da ich es als deprimierend empfinde, ständig allein zu sein. Es ist eher gezwungenermaßen eine Notwendigkeit, um meinen Akku wieder aufzuladen. Aber es fühlt sich an, als wäre mein Gehirn nicht artgerecht, da wir Menschen eigentlich soziale Wesen sind, die einander brauchen. Eine Zeit lang kann ich die fehlende Anwesenheit von Menschen zwar durchaus genießen, aber insgesamt wäre ich lieber weniger allein. Ich wäre gerne mehr unter Menschen, hätte gerne mehr Zugehörigkeitsgefühl – aber nicht um diesen Preis: Smalltalk über mich ergehen lassen, obwohl es sinnlos und auslaugend ist; von allen möglichen Reizen erschlagen werden; das permanente Gefühl, fehl am Platz zu sein und der Versuch, mich trotzdem irgendwie der Kommunikation anzupassen, auch wenn es sich nicht authentisch anfühlt. Ich wäre nicht gern anders als ich bin, aber ich würde lieber in einer 50/50 Welt leben, anstatt als 2% Minderheit, und ein aktiveres Sozialleben haben, ohne mich tagelang davon erholen zu müssen.