11.02.24
Der Gedanke an Neurodiversität und daran, dass ich vielleicht wirklich Autistin sein könnte, hat dazu geführt, dass ich mich nicht mehr mit anderen vergleiche. Nicht mit Flo, nicht mit Leuten von früher aus der Schule, nicht mit sonst irgendwem. Und zwar nicht deswegen, weil mein Verstand mir sagt, dass es Quatsch ist, sich zu vergleichen (denn das tut er ja schon lange), sondern weil es irgendwie in meinem ganzen Körper angekommen ist.
Ich bin nicht schwächer, sondern mindestens genauso stark. Ich hatte einfach nur schon immer andere Bedingungen, andere Grundvoraussetzungen, unter denen ich mein Leben meistern musste. Der Gedanke gibt mir automatisch auch eine große Portion Selbstsicherheit dazu.
15.02.24
Wenn ich mir erlaube, dass ich in sozialen Interaktionen die ein oder andere Schwierigkeit habe, weil mein Gehirn anders funktioniert, habe ich nicht mehr das Gefühl, deswegen weniger erwachsen oder schwächer zu sein oder mich zu langsam entwickelt zu haben. In der Tat ist eher das Gegenteil der Fall.
Außerdem, wenn ich mir in einem Lebensbereich schwertue, wirkt sich das nicht automatisch auf die anderen Lebensbereiche aus. Und schon gar nicht auf meinen Selbstwert.
Allein dadurch, dass ich angefangen habe, mich mit dem Thema Autismus zu beschäftigen, fällt eine RIESEN Last von mir ab.
Auch wenn die Emotionen und Entwicklungen, die das ganze Thema bei mir ausgelöst hatte, eigentlich für sich sprachen und alles zusammenpasste, blieben die Fragen in meinem Hinterkopf: Konnte das wirklich sein? Oder bildete ich mir alles nur ein? Suchte ich vielleicht verzweifelt nach einem Grund, um mir zu erklären, warum mein Leben so dermaßen schiefgelaufen war? Oder war der Gedanke an Autismus vielleicht nur eine Art Flucht aus den ganzen CFS und Trauma Themen, dass ich mich zur Abwechslung mit etwas anderem beschäftigen konnte, das vielleicht meine Symptome erklärte?
Ich wollte unbedingt Klarheit haben, doch leider war es schwer, zeitnah einen Termin für die offizielle Diagnostik zu bekommen. Wartezeiten von einem Jahr waren nichts Ungewöhnliches und ich wurde mehrfach vertröstet mit der Bitte, mich in ein paar Monaten nochmal zu melden. Von den Diagnosestellen in meiner nächsten Umgebung bekam ich nur Absagen, da sie alle nur ihr direktes Einzugsgebiet aufnahmen. Somit hatte ich monatelang keine hundertprozentige Gewissheit und all meine Erkenntnisse blieben vorerst weiterhin mit einem großen Fragezeichen versehen. Es war schwer, Frieden mit einem Thema zu schließen, solange man keine Gewissheit hatte.
03.03.24
Extrem wichtige Erkenntnis:
Auch, wenn ich mich körperlich gut fühle (selbst, wenn ich Sport machen würde), darf ich bei sozialen Kontakten Grenzen setzen – muss ich sogar. Dass mich soziale Kontakte so viel Energie kosten, hat nicht mehr viel mit CFS zu tun. Die Krankheit hat mich nur dazu gezwungen, mein Sozialleben so zu leben, wie ich es eigentlich schon immer gebraucht hätte – es war mir nur nicht bewusst, weil ich so im Anpassungsmodus war.
05.03.24
Ich glaube, die Autismus Diagnose wäre sehr wichtig für mich, weil ich dann auch in komplett gesundem Zustand sagen könnte, dass mir bestimmte Sachen zu viel sind (z.B. Geburtstagsfeiern), ohne mich komisch zu fühlen oder ein schlechtes Gewissen zu haben. Weil ich dann eine konkrete Begründung hätte, die jeder nachvollziehen könnte (und wenn nicht, ist es nicht mein Problem).
Und ich könnte so viel Zeit wie ich will allein daheim verbringen, ohne das Gefühl zu haben, ein antisozialer Weirdo zu sein. Ich könnte einfach Ich sein.
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