Schnauze voll von Mini-Schritten und Schneckentempo

Veröffentlicht am 19. Mai 2026 um 09:14

Vor vier Jahren habe ich mir einen online Schreibkurs gekauft, mit 12 Lektionen, die ursprünglich auf 12 Wochen ausgelegt waren. Ich habe den Kurs innerhalb von vier Jahren in Mini-Schritten und mit vielen wochenlangen, teilweise monatelangen Pausen durchgemacht. Die Videos haben jedes Mal wieder das gleiche Feuer in mir entfacht, das ich so stark nur vom Schreiben kenne. Am liebsten hätte ich nach jedem Teil des Schreibkurses im Anschluss jeden Tag mit Schreiben verbracht. Stattdessen musste ich zusehen, wie das Feuer oft langsam, aber sicher, wieder verglühte, da mich mein Körper ausbremste. Das ist die harte Realität mit chronischer Erschöpfung. Einerseits freue ich mich, dass ich nach vier Jahren mit dem Schreibkurs endlich durch bin und bin ein bisschen stolz auf mich, dass ich es nie endgültig aufgegeben habe. Gleichzeitig ist die Tatsachenbetrachtung unglaublich frustrierend und deprimierend. Ich habe die Schnauze voll von Mini-Schritten und Schneckentempo. Beim Schreiben ist es nochmal extra frustrierend, denn Schreiben funktioniert nicht, wenn man spätestens nach einer halben Stunde wieder aufhören muss - da fängt der Flow erst so richtig an. Deshalb habe ich mich oft mit Zucker aufgeputscht, um mich länger am Stück kognitiv betätigen zu können, was aber dann immer die Folge hatte, dass in den folgenden Tagen so gut wie gar nichts ging. Mittlerweile habe ich in Bezug auf meine Schreibprojekte eine scheiß-egal-Einstellung entwickelt, wahrscheinlich aus Selbstschutz. Nach 10 Jahren will ich es nicht mehr ertragen müssen, permanent frustriert, deprimiert und enttäuscht zu werden. Stattdessen versuche ich den Fokus auf das zu legen, was wieder geht: Muskeln aufbauen, in der Natur unterwegs sein, körperliche Tätigkeiten.

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