Ausschnitt aus "Verliebt ins Leben" - Mission Meer

Veröffentlicht am 18. Mai 2026 um 14:56

11.08.20

Gestern bin ich nach 1,5 Wochen wieder heimgekommen. So lange bin ich schon lange nicht mehr unterwegs gewesen und es hat mir wie zu erwarten richtig gutgetan! Wobei das eigentlich keine Worte sind für das, was hier gerade abgeht. Ich weiß nicht, was mich gerade glücklicher macht – das Meer oder Rucksack, Züge, Bahnhöfe. Ich liiiebe es einfach! Abgesehen vom Lärmpegel ist Zugfahren für mich die beste Meditation. Setz mich mit Rucksack in einen Zug und ich bin glücklich.

Aber vermutlich ist es die Mischung aus Zugfahren, Meer, der Tatsache, dass ich so einen tollen Bruder habe, dass ich in Bayreuth so tolle Menschen kennengelernt habe, dem Gefühl von „irgendwo sein, wo ich noch niemals war“ und der Tatsache, dass all das die letzten 4 Jahre nicht möglich war. Fucking 4 Jahre, holy shit da werde ich schon wieder emotional beim Schreiben.

 

Die ganzen letzten Wochen hatte ich das alles nicht wirklich realisiert, sondern wie im Traum erlebt. Einen Tag nachdem ich heimgekommen war, stellte ich zwei Bilder in meinen WhatsApp Status, weil ich das Bedürfnis hatte, mein Glück mit der Welt zu teilen. Unter ein Bild von mir, auf dem ich barfuß durch den Sand über die Düne in Richtung Meer laufe, setzte ich die Unterschrift „Back to LIFE <3“. Daraufhin erhielt ich eine Nachricht von Manuel: „Ich freue mich sehr für dich, dass es dir schon wieder so gut geht.“ Ich wusste nicht genau warum, vermutlich deswegen, weil Manuel von allen Leuten, die ich zu dem Zeitpunkt kannte, am besten nachvollziehen konnte, wie ich mich fühlen musste – jedenfalls führte seine Nachricht dazu, dass zum ersten Mal wirklich zu mir durchsickerte, was hier eigentlich gerade abging: Ich war mit meinem großen Rucksack Zug gefahren und auf Bahnhöfen unterwegs gewesen. Ich hatte meinen Bruder in Bayreuth besucht, nachdem ich drei Jahre lang davon geträumt hatte. Ich war am offenen Meer gestanden und am Strand gewesen, mit meinen Füßen im Sand, bei Salzgeruch und Wellenrauschen, nachdem ich vier Jahre lang davon geträumt und es seit eineinhalb Jahren fast jeden Tag visualisiert hatte. Im Auto als Beifahrer auf deutschen Autobahnen war trotz Zwischenübernachtung ein enormer Stresspegel für mich gewesen, aber ich hatte mich erstaunlich schnell wieder davon erholt. Ich hatte etwas von der Welt außerhalb des Allgäus und vor allem außerhalb meiner vier Wände gesehen. Ich hatte dieses unvergleichbare Freiheitsgefühl gespürt, welches man nur beim unterwegs sein hat.

Ganz nebenbei hatte ich, ohne es zu merken, meinen neuen Schritte-Rekord von ungefähr 8km innerhalb eines Tages aufgestellt, was mir im Nachhinein komplett verrückt erschien. Außerdem hatte ich in der fremden Umgebung so gut geschlafen wie seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr und mich zwischenzeitlich einfach komplett normal und gesund gefühlt.

Das war für mich der beste Beweis dafür, dass es sich lohnte, an seine Träume und Ziele zu glauben. Auf einmal realisierte ich, wie gut es mir mittlerweile wieder ging und was ich alles geschafft hatte. Und wie lange und wie hart ich dafür gekämpft hatte. Auch, wenn ich noch ein gutes Stück von 100% entfernt war, hatte ich das zurück, was man als Leben bezeichnen konnte. Als mir das alles klar wurde, während ich die passende Musik hörte, flossen nur noch die Tränen. Aber zum ersten Mal seit Jahren nicht aus Angst, Wut, Trauer oder Verzweiflung, sondern vor Freude und Dankbarkeit. Ich wusste nicht, wohin mit meinen Glücksgefühlen, und hätte am liebsten die ganze Welt umarmt.

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